Einführung

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Eine Regionalwährung (Regiogeld)
ist ein Umlaufmittel für den Austausch von Waren und Dienstleistungen, das innerhalb einer begrenzten Gemeinschaft parallel zur gesetzlichen Währung akzeptiert wird.

Es ist ein zwischen Verbrauchern, Anbietern, Vereinen und Kommunen demokratisch vereinbartes Medium, das innerhalb einer Region als Zahlungs-, Investitions- und Schenkungsmittel verwendet werden kann.

Alle Regionalwährungen sind Komplementäre Währungen. Diese ersetzen nicht die Landeswährung, sondern ergänzen sie. Sie sind nur in einer Region, z.Bsp. im Emmental gültig.

Die Teilnahme an Komplementären Währungskreisen beruht auf Freiwilligkeit.

Ziel einer Komplementären Währung ist deren Umlauf. Dies wird durch eine Umlaufgebühr erreicht.

In der Schweiz kennen wir zum Beispiel das WIR-Geld oder die Reka-Reisechecks. Das WIR-Geld verzeichnet in Zeiten der Rezession einen Aufschwung und in Zeiten des Wirtschaftswachstums stagniert der Umsatz. Reka- Reisechecks gewinnen mehr und mehr an Bedeutung und sind auch ein beliebtes «Schenkgeld» geworden. Diese beiden Währungssysteme sind allerdings überregional. Ihr Ziel ist es, bestimmte Kreisläufe anzuregen.

Wo sich der Euro oder der Franken zurückzieht, kann bzw. könnte ihn Regiogeld ergänzen. Regiogeld fördert und stabilisiert die regionale Wirtschaft, es erhöht die Liquidität, hält Arbeitsplätze und damit die Kaufkraft in der Region. Regiogeld begünstigt damit ökologisch sinnvolles und soziales Wirtschaften. Dem Ausbluten und der wirtschaftlichen Verödung schwächerer Regionen wird so entgegen gewirkt.


In Deutschland haben bereits 40 Regiowährungen ihre Arbeit aufgenommen. Sie heissen Chiemgauer, Roland, Kirschblüten, Berliner… Aus den vielen Einzelinitiativen hat sich inzwischen das deutschlandweite Regionetzwerk gebildet, das unter anderem Wissensvermittlung und Zusammenarbeit organisiert, aber auch Qualitätsstandards für Regiogelder festgelegt hat, und diese bei seinen Mitgliedern überwacht.


Im Unterschied zu Deutschland ist in der Schweiz der Schuldendruck des Staates und dadurch die Zinslast geringer, und die Verarmung der Bevölkerung weniger sichtbar und fortgeschritten. Dadurch besteht in der Schweiz weniger Druck, etwas zu verändern. Wenn wir aber die Bankenkrise ins Blickfeld nehmen, müssen wir damit rechnen, dass auch in der Schweiz grössere Probleme auftreten werden. Denn in der Geschichte hat es sich gezeigt, dass sich Börsen- oder Banken-Crashs oft erst mit einer Verzögerung in der Wirtschaft manifestieren. Wir sind daher gut beraten, wenn wir uns heute schon Gedanken machen über ein eventuelles «Auffangnetz» in Form von Regionalwährungen.


Das gegenwärtige Geldsystem zieht das Geld aus den Regionen. Es erziehlt die höchste Rendite, wenn Menschen oder Ressourcen der Erde ausgeplündert werden. Dadurch mutiert unser gegenwärtiges Weltfinanzsystem zunehmend zu einem System der Ausplünderung. Der Ertrag von Wertschöpfungen fliesst in die Hände von wenigen Menschen und transnationalen Konzernen, die dadurch immer reicher und mächtiger werden.


Regionalwährungen sind ein gangbarer Weg, um diese Dynamik abzuschwächen, um die regionale Wirtschaft und Kultur, das Geistes- und Gesundheitswesen zu stärken und um Kaufkraft zu schaffen – All das heisst nicht weniger, als Leben zurückzuerobern.

«Wir machen unser eigenes Geld!»

Ziel einer Komplementären Währung ist deren Umlauf. Dies wird durch eine Umlaufgebühr (Demurage) erreicht. Es lohnt sich nicht, Regiogeld zu horten, es «rostet».


Umlaufgesichertes Geld ist ein Zahlungsmittel, das mit einem negativen Zins belastet ist, d.h. im Wert permanent sinkt. Dies soll zu einem dauerhaften Geldumlauf führen und dadurch die Wirtschaft stabilisieren. Die Umlaufsicherung erhöht also die Kosten der Geldhaltung gegenüber anderem Geld. Dies steht in einem Widerspruch zu der Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes. Von der etablierten Volkswirtschaftslehre wurde das Konzept bis vor kurzem ignoriert.

 

Eine Regionale Währung muss nicht rentieren wie der Schweizer Franken. Sie eignet sich als Zahlungsmittel für alle Bereiche, die per Definitionem nicht monetär rentieren können, wie Kindererziehung, Haushaltführung, Freiwilligenarbeit, Gesundheit, Bildung, Kunst, Kultur…

Um dieses Ziel zu erfüllen, muss die Regionalwährung nicht nur legal, sondern sie sollte realistischerweise auch in Phasen einführbar sein und in der Bevölkerung schnell Vertrauen gewinnen können. Das liesse sich, um es an einem Beispiel zu verdeutlichen, durch die Verbindung von drei Komponenten realisieren.

l. Ein Gutschein-System, welches als Bargeld-Ersatz oder bargeldlos über eine Chipkarte als regionales Zahlungsmittel eingesetzt werden kann. Seine erste praktische Erprobung findet zur Zeit in Prien am Chiemsee statt, wo das so genannte Regiogeld unter der Bezeichnung »Chiemgauer« zirkuliert.

2. ein Kooperations-Ring (ähnlich dem WIR-System), welcher als bargeldloses Verrechnungs- und Kreditsystem zum Austausch von Waren und Dienstleistungen, schwerpunktmäßig zwischen gewerblichen und professionellen Teilnehmern funktioniert und die Liquidität von kleinen und mittleren Unternehmen erhöht (aber auch den Bewohnern der Region eine Möglichkeit bieten kann, ihre Leistungen miteinander zu verrechnen). Dieses Modell wird zur Zeit in Delitzsch von einer Sparkasse eingeführt und erprobt.

3. und eine Mitglieds-Bank, die nach dem Grundsatz eines nachhaltig stabilen und nicht auf Wachstum angewiesenes Spar- und Kreditmodells arbeitet.


Im Gegensatz zur Landeswährung ist der Regio (so wurde die komplementäre Währung beim Treffen der ersten Regionalgeld-Initiativen im September 2003 in Prien/Chiemsee genannt):

> kein »offizielles« Zahlungsmittel, das heißt, er steht nicht unter Annahmezwang, seine Annahme erfolgt nur freiwillig,

> nur geografisch begrenzt einsetzbar und trägt in jeder Region eine jeweils andere Bezeichnung,

> beim Umtausch in andere Regionalwährungen oder in die Landeswährung verursacht er eine Umtauschgebühr,

> und es lassen sich mit ihm keine Zinsen verdienen.

Alle diese Charakteristika machen ihn für die Region zum »besseren« Geld, denn alle werden bestrebt sein, dieses Zahlungsmittel zu benutzen, bevor sie ihre Landeswährung ausgeben. Und genau das ist beabsichtigt.


Landeswährungen wie der Franken oder der Euro eignen sich für den internationalen Austausch, für Geldinvestitionen und die Akkumulation und Umverteilung von Vermögen über Spareinlagen mit Anspruch auf exponentiell wachsende Zinsen oder Dividenden.


Der Regio eignet sich hingegen als Tauschmittel für eine bewusste Förderung sozialer, kultureller und ökologischer Ziele oder für einen ethischen Umgang mit endlichen Ressourcen in einem überschaubaren Bereich, zu dem Menschen eine direkte persönliche und emotionale Beziehung haben.

Der Regio soll die Landeswährung ergänzen, nicht ersetzen. Er ist deshalb auch keine »alternative«, sondern eine »komplementäre« Währung.

«Momentan werden bei Hunderten von Projekten neue Währungsformen verwendet. In ihrer Summe deuten sie darauf hin, dass sich unser eigentliches Währungskonzept verändern wird. An einigen Projekten sind mächtige Organisationen und Milliarden Dollar an Investitionen beteiligt. Manche wurden mit sehr wenig Geld von einigen sozial engagierten Idealisten in verschiedenen Ländern auf die Beine gestellt, andere Projekte wiederum sind die Idee eines einsamen »Cyberpunk« in einem Loft in Silicon Valley.

Diese Projekte werden sich durchsetzen und unsere Wirtschaftsweise, unsere Gesellschaft, unsere Zivilisation und unsere Welt für immer verändern.»

Bernard A. Lietaer, Das Geld der Zukunft, Seite170


Die Erfahrung zeigt, dass Komplementäre Währungen die kleinen und mittleren Unternehmen unterstützen, sie sind Werbeplattformen, fördern den Zusammenhalt in der Region und verkürzen die Transportwege.

Die Regio-Initiativen sind letztlich nichts anderes als am Gemeinwohl orientierte Unternehmen, die ein Produkt an den Mann und die Frau bringen wollen.

Jede Initiative hat ihre eigenen Besonderheiten. Der Berliner ist in einer Stadt zu Hause und wird von der Bundesdruckerei gedruckt, der Roland in Bremen fördert die ökologische Landwirtschaft und der Sterntaler verknüpft das Regiogeld mit einem Tauschring.


Die klare Antwort auf die Frage ob sich Regiogeld in der Praxis bewährt, kann mit ja beantwortet werden. An einem solchen Projekt muss aber professionell und ernsthaft gearbeitet werden. Um Erfolge zu erzielen, sind professionelle Strukturen erforderlich, die ein effizientes Handeln ermöglichen. Es muss zielorientiert gearbeitet werden. Allen Beteiligten muss klar sein, dass sich die Regio-Initiative auf Dauer finanzieren muss. Eine Bezahlung für die Menschen, die dauerhaft für das Projekt arbeiten, muss angestrebt und möglich sein. Die zu leistenden Beiträge haben die Kosten der Initiative zu decken, alles was darüber hinausgeht, dient dem Gemeinwohl. Damit das Rad nicht ständig neu erfunden wird, arbeiten die Regio-Initiativen zusammen, um gemeinsame Synergien zu entdecken und zu nutzen.


Die Vision des Regiogeldes muss letztlich von Menschen getragen werden, die in der Lage sind, die Sache in den Vordergrund zu stellen und praxisorientiert umzusetzen. In einer ausgewogenen Wirtschaftskultur wird sich ein faires Geben und Nehmen entfalten. Die individuellen Fähigkeiten der Menschen werden sich so entfalten können, dass sich sowohl die Individuen als auch die Gesellschaft und Umwelt nachhaltig entwickeln können.

Es gibt auf der ganzen Welt über 4'500 komplementäre Währungskreise.

Die Idee scheint zu funktionieren. Ein Erfolgsmodell, wie Beispiele aus der Geschichte zeigen: Wörgl im Tirol, Flugmeilen, Chiemgauer, Pro Bons, Bonuspunkte von COOP und Migros …


Für das Emmental planen wir die Einführung eines Emmentalers.


Komplementäre Währungen könnten im Ernstfall eines gesamtwirtschaftlichen Crashs auch in der wohl regulierten Schweiz den Zusammenbruch staatlicher Strukturen verhindern oder auffangen helfen.


Der Anfang: Die älteste Komplementärwährung im deutschsprachigen Raum existiert in der diakonischen Einrichtung Bethel in Bielefeld, wo schon seit über hundert Jahren die Bethel-Mark und inzwischen der Bethel-Euro kursiert.


Die Gegenwart: Der Regiogeld-Verband zählt 21 Orte in Deutschland mit Parallelwährungen; 38 Gruppen bereiten die Einführung von Gutscheinen vor. Die größte Regiowährung ist mit einem Umsatz von umgerechnet vier Millionen Euro der Chiemgauer.


Der Tauschring: Zunächst unabhängig vom Regiogeld haben sich in den vergangenen 30 Jahren Tauschringe entwickelt, die entweder aus der alternativen Szene initiiert wurden oder eher aus Traditionen von Nachbarschaftshilfe entstanden sind. In der Regel werden hier Arbeitsstunden, also Zeit, getauscht. Ähnlich wie in Vorarlberg entstehen zunehmend auch kombinierte Systeme – zum Beispiel im Berchtesgadener Land.

 

Weitere Infos:

www.regiogeld.de/

www.monneta.org/

www.regios.eu/

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