Chiemgauer

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Der Chiemgauer ist ein regionales Zahlungsmittel
in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein. (Bayern). Sein Ziel ist die Förderung gemeinnütziger Vereine und die Belebung regionaler Wirtschaftskreisläufe.

Den Chiemgauer gibt es als Gutschein in Werten von 1 bis 30 Euro, die bei verschiedenen Chiemgauer Servicestellen erhältlich sind.

Für Unternehmen ist der Chiemgauer sowohl ein äusserst kostengünstiges Marketinginstrument zur Gewinnung und Bindung von Kunden als auch ein Statement für die Region.

Der Chiemgauer ist durch den Euro gedeckt. 1 Chiemgauer = 1Euro.

Alle Bürgerinnen und Bürger können mit dem Chiemgauer einkaufen und ohne Mehrkos ten einen gemeinnützigen Förderzweck unterstützen. Bei jeder Zahlung erhält der ausgewählte Verein drei Prozent des eingetauschten Wertes. Für die Verbraucher bestehen keine Mindestverpflichtungen oder Kosten durch die Teilnahme beim Chiemgauer. Es muss nur die kostenlose Chiemgauer Regiocard beim Chiemgauer e.V. bestellt werden, die einem innerhalb von zwei Wochen zugeschickt wird.

Für Unternehmen ist der Chiemgauer sowohl ein äusserst kostengünstiges Marketinginstrument zur Gewinnung und Bindung von Kunden als auch ein Statement für die Region. Jede Weitergabe von Chiemgauern stärkt das regionale Netzwerk und optimiert den Nutzen.


Den Chiemgauer gibt es als Gutschein in Werten von 1 bis 30 Euro, die bei verschiedenen Chiemgauer Servicestellen erhältlich sind.



Seit Sommer 2006 ist in Wasserburg das Zeitalter des elektronischen Chiemgauer angebrochen. Man legt die Regiocard vor und bestätigt die Zahlung durch seine Unterschrift. Immer mehr Anbieter in Wasserburg machen mit. Bürgermeister Michael Kölbi hat die Schirmherrschaft für das Pilotprojekt «Elektronischer Chiemgauer» übernommen.


Das Chiemgauer Projekt begann im Herbst 2002 im Rahmen eines Oberstufenprojekts an der Waldorfschule Prien mit dem Chiemgauer Gutschein, der im Januar 2003 herausgegeben wurde.

Ende 2003 waren 70'371 Chiemgauer im Umlauf und Ende 2007 betrug der Umsatz bereits 2'250'000. Dies bedeutet eine Umsatzsteigerung von 61 % in fünf Jahren.


Christian Gelleri, der Initiator des Chiemgauers, hat sich mit dem Thema bereits als Jugendlicher beschäftigt. Grosses Interesse hatte er an Hintergründen zu vergangenen Wirtschaftskrisen wie z.B. in den 30er Jahren und stiess in dem Zusammenhang auf unkonventionelle Lösungsvorschläge von Silvio Gesell, Rudolf Steiner und dem verstorbenen Augsburger Professor Dieter Suhr. In seinem wirtschaftswissenschaftlichen Studium in München, entwickelte er 1999 ein konkretes Modell zur Umsetzung eines Regiogeldes.

Es sollten aber noch einige Jahre vergehen, bis sich eine Gelegenheit zu einer praktischen Erprobung bot und letztlich waren es sechs junge Waldorfschülerinnen, die den Mut hatten, zusammen mit ihm einen ersten Schritt zur Entwicklung eines Regiogeldes zu wagen.

 

Die Anfangsidee war, ihre Walldorf Schule durch das Einkaufen bei umliegenden Unternehmen zu fördern. Durch den Einkauf verpflichteten sich die Unternehmen einen Teil der Umsätze der Schule zu sponsern und umgekehrt sollte die Schule etwas für die Unternehmen tun, indem sie auf diese aufmerksam machte. Ende 2003 konnten die Schülerinnen mit 100 Anbietern und fünf Vereinen zusammenarbeiten und seit Ende 2007 sind 631 Anbieter und 158 Vereine dabei. Sie haben dieses Prinzip des wechselseitigen Förderns verwirklicht.


Dahinter steht die Erkenntnis, dass 80 % der Ausbildungsplätze und über 70 % der Arbeitsplätze bei kleinen und mittleren Unternehmen beheimatet sind. Der Mittelstand gilt als eher «arbeitsintensiv» und beschäftigt relativ zum Umsatz sehr viel mehr Arbeitnehmer als grosse kapitalintensive Unternehmen. Der Mittelstand ist das Rückgrat der Wertschöpfung in den Regionen.

Ein weiteres Ziel ist die Motivation zu einem fairen Geben und Nehmen mit Regiogeld. Das fängt beim Einkauf an. Beim Käufer sollte nicht das Preis-Motiv allein im Vordergrund stehen. Es sollte ihm bewusst sein, dass ein enger Zusammenhang zwischen dem Mittelstand und dem Beschäftigungsniveau besteht. Wir haben eine Verantwortung für die Verwendung des Geldes. Die kurzfristige Profit- und Geizmentalität ist imstande, ganze Gesellschaften auszuhebeln.


Das Regiogeld ist ein Gewinn für alle Beteiligten. Jeder Einkauf in Chiemgauern löst eine Kettenreaktion an Fairness aus. Regionale Wirtschaftskreisläufe mit kurzen Transportwegen werden angeregt. Ausbildungs- und Arbeitsplätze werden gesichert.

Heute greifen 1337 Verbraucher regelmässig zum Chiemgauer. 2007 wurden 856'000 Euro in Chiemgauer umgetauscht. Getauscht wird bargeldlos. Ein Euro entspricht genau einem Chiemgauer.

Die Verbraucher haben keinerlei Mehrkosten, obendrein gehen 3 % von jedem Eintausch an das vom Verbraucher gewählte Wunschprojekt. Jeder ist damit Impulsgeber für eine vielfältige Kultur und eine hohe Lebensqualität in der Region. 25'698 Euro konnten im letzten Jahr an Projekte und Vereine ausbezahlt werden.


Das Erfolgsrezept hinter dem Chiemgauer sind drei Grundregeln, die durch die gemeinsame Anwendung ihre volle Wirkung entfalten.


1. Einkaufen für einen guten Zweck

Der Nutzen für die Verbraucher liegt zwar nicht in einem persönlichen Vorteil, aber dafür in einem handfesten finanziellen Bonus für das vom Verbraucher bevorzugte Projekt, ohne dass der Verbraucher selbst dafür etwas bezahlen muss. Bei der Vielfalt der teilnehmenden Vereine und Projekte ist für so ziemlich alle Verbraucher ein Förderzweck dabei, denn von einem gut laufenden Sozialwerk, einem Kindergarten oder einer Schule profitieren letztlich alle. Hinzu kommt als weiterer guter Zweck die Förderung der regionalen Wirtschaft, zu der fast alle Menschen persönliche Bezüge haben, sei es durch den eigenen Arbeitsplatz, der davon abhängt, oder der Arbeitsplatz von Verwandten und Freunden.


2. Der Regionalbeitrag

Da die Verbraucher etwas Gutes bewirken ohne selbst Nachteile zu haben, wird das Netzwerk regelmässig mit neuem Regiogeld gespeist. Die Anbieter können nun wählen, ob sie Regiogeld weiter ausgeben oder zurück tauschen. Der Rücktausch kostet jedoch fünf Prozent und es erfordert den organisatorischen Aufwand, zur Ausgabestelle zu gehen und die Kosten für den Rücktausch in der Buchhaltung abzurechnen. Einfacher und billiger ist es dagegen, das Regiogeld in gleicher Höhe auszugeben. Dies kann geschehen durch die Bezahlung von Mitarbeitern, Zulieferern und Dienstleistern. Indem immer mehr Unternehmen diesem Beispiel folgen und sich dadurch den Regionalbeitrag sparen, kommen regionale Wirtschaftskreisläufe immer mehr in Schwung. Das lässt sich beim Chiemgauer empirisch sehr gut zeigen: Wurden anfangs über 90 % der Chiemgauer beim ersten Mal wieder zurück getauscht, waren es im zweiten Jahr 60% und mittlerweile sind es 50 %.


3. Der Umlaufimpuls

Beim Chiemgauer wird der Gutschein am Ende des Quartals ungültig und er muss mit einer Marke um weitere drei Monate verlängert werden. Die Marke kostet zwei Prozent des jeweiligen Gutscheinwerts und macht bei vier Quartalen acht Prozent aus. Regiogeld wird damit als Hortungs- und Spekulationsmittel völlig unattraktiv und wer sparen möchte, wird kaum jemanden finden, der für die ablaufenden Regiogeld-Scheine einen hohen Zins bezahlt. Wer Regiogeld sparen möchte, wird schon dann zufrieden sein, wenn ihm der Kreditnehmer bei Fälligkeit des Kredits «frisches» Regiogeld gibt. Bei den Chiemgauer Gutscheinen kommt der Verkauf der Verlängerungsmarken gemeinnützigen Zwecken zu gute. Um den Schwund zu vermeiden, kann der Guthabenbesitzer sein Geld jederzeit auf ein Zinsloskonto parken. Dies ermöglicht wiederum zinsgünstige Kredite.

 

Weitere Infos: www.chiemgauer.info/

Einschätzung:

Mit dem Chiemgauer konnten wesentliche Erfahrungen für regionales Wirtschaften gesammelt werden.

Leider krankt er – wie viele komplementäre Wägrungen - an der Tatsache, dass ich zuerst € in die Hand nehmen muss, um mir damit Chiemgauer zu kaufen. Ich bin also vom Wert des € abhängig, wenn ich mit Chiemgauern handle. Zudem kann ich, mit Verlust zwar, meine Chiemgauer wieder in € zurücktauschen.

Zur Schuldproblematik des bestehenden Geldsystems ist der Chiemgauer keine brauchbare Alternative.

 

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