Fei Lun – Chin. Solidargemeinschaft

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Fei Lun - das fliegende Rad – Chinesische Solidargemeinschaften,
das älteste Währungssystem der Welt. Eine Währung ohne Geld – Dezentralisiert – Jeder kreiert zinsfreien Kredit für 
Jedermann. Wenn die Mobiität nicht zu gross, und die Anzahl der Teilnehmer übersichtlich ist, kommt in einer kleinen Gemeinschaft immer aller Kredit zurück.

Gemäss Prof. Kuroda (University of Tokyo) gibt es bis
heute keine akademische Arbeit, welche erfolgreich die asiatischen Währungssysteme erforscht und verglichen hat.


Einig sind sich alle Forscher, dass in China vor 9000 – 11000 Jahren Rinder die Wertebasis für allen Handel darstellten. Daraus resultierte kein Tauschhandel, sondern ein Kreditsystem. Wer Rinder hatte, war kreditwürdig – ein persönliches Kreditsystem – Jeder für Jeden.

 

Über die Jahrtausende organisierten sich die unterschiedlichen Klans 
und Stämme zu einem Staat, der jedoch kein Kreditsystem als Währung betreiben konnte. Kredit kann nun mal nie im Anonymen funktionieren – sonst verkommt es zu Cash – was übrigens chinesisch ist und die staatlichen Münzen umschreibt.

 Dieses Kreditsystem ist bekannt als Fei Lun und geht zurück in die frühe
 chinesische Geschichte, als das Papier noch nicht einmal erfunden war und mit
 Kreide angeschrieben wurde. Jeder konnte bei jedem anschreiben lassen und 
durch Gegenleistungen wieder zinsfrei ausgleichen.


Der Begriff “anschreiben lassen“ stammt offenbar aus einer Zeit, wo auch bei uns auf Schiefertafeln Schulden angeschrieben wurden. Das System ist in fast allen asiatischen Ländern auf dem Land auch heute noch aktiv, wenn gleich die jüngeren Generationen davon nicht mehr viel halten. Sie werden von den Schulen, Banken und Medien längst auf die moderne anonyme Geldform getrimmt. Fei Lun ist selbst auf dem Internet bis heute kaum dokumentiert, und auch Links lassen sich nur schwerlich finden.


Auf einer Reise durch die tiefsten Provinzen in mehreren Ländern Südostasiens kann das System eingehend studiert werden.
 Das “fliegende Rad“ System hat ein 
Logo, welches aus einem Speichenrad und Flügel besteht. Das heisst frei übersetzt 
soviel wie “frei wie ein Vogel - geschlossener Wirtschaftskreislauf - fair für
 alle“. Die 5 Speichen des Rades stehen für die 5 chinesischen 
Elemente. Man kann auch heute noch überall Büchlein kaufen, die auch als 
555-Büchlein bekannt sind. 555 bedeutet im Chinesischen soviel wie 50:50 fair
 für beide Seiten. Die dritte 5 bedeutet absolut fair. 555 bedeutet deshalb 100% Fairness für beide Seiten. In die 
Büchlein trug man seit jeher die gewährten Kredite ein, merkt sie sich bis sie 
durch Rückzahlung gestrichen wurden und kreiert damit dezentralisiertes, zinsfreies Geld unter dem Volk, ohne die Banken oder den Staat einzuschalten.

 Die Schuldner werden in unterschiedlich farbige Büchlein geschrieben, was damit auch gewissermassen die Höhe der Kreditlimite bestimmt. Jeder macht eben mit unterschiedlichen Element-Menschen unterschiedliche Rückzahlungserfahrungen.


In China konnte schon seit altersher jeder bei jedem
anschreiben lassen und zahlte seine Schulden durch Gegenleistungen oder 
Aufrechnung. Die Leute lernten dank Fei Lun täglich, wie vertrauenswürdig alle sind. So entstand eine verlässliche starke Gemeinschaft. Da Streithähne zunächst beide bis zur Klärung eingesperrt wurden, waren beide Seiten immer bemüht, Differenzen friedlich beizulegen. Auch waren beide immer an weiterer Kreditwürdigkeit in der Gemeinschaft interessiert.


Starb der Schuldner, so war es in der Sippe üblich, ihm seine Schuld zu 
erlassen, indem man die Schuldzettel aus dem Büchlein nahm und verbrannte. Starb der Gläubiger, so war es üblich, die Schuldbüchlein an die Erben zu 
übergeben, die vorher genau unterwiesen wurden, was zu tun sei. Die Regel war auf Schuldbegleichung zu warten. Reiche Gläubiger erliessen in der
 Regel ihren Schuldnern die Schuld und verbrannten die Schuldscheine alle. Wer 
trotzdem nicht mehr an der jährlichen Trauerfeier für den verstorbenen Gläubiger 
teilnahm, zeigte einen schlechten Charakter, was ihm in der Gemeinschaft bei 
weiterer Kreditbeurteilung Minuspunkte einbrachte.


Der alte Brauch, auch heute noch Papier bei der chinesischen Beerdigung mit zu verbrennen, hat seinen symbolischen Ursprung darin, dass all die Schuld 
des Toten vergeben und erloschen ist. Um den Ursprung des chinesischen Geldsystems zu verstehen, muss man sehr weit zurückgehen. Es wird jedoch schnell klar, dass die Wurzeln des “Anschreibens“ im gegenseitigen Vertrauen liegen und zu allen Zeiten in allen Völkern existierte. Bargeld in Form von Papiergeld hat seine Wurzeln in der Zeit, als China von den Mongolen beherrscht wurde.


China kannte in seiner langen Geschichte neben dem Fei Lun eine Bronzemünze mit einem Loch in der Mitte – den sogenannten “Cash“ von dem der englische Begriff cash abstammt. Diese Münzen waren eigentlich “Wertmarken für Regierungsreisende“ und kein Geld.


Münzen waren keinesfalls eine Währung für den Wirtschaftskreislauf, welcher zu allen Zeiten in China voll auf Fei Lun basierte. Es wäre unmöglich gewesen,
 den Währungsbedarf für das Wirtschaftsystem von so vielen Millionen Menschen mit den kleinen Bronzemarken zu decken, die ansonsten materiell geringwertig waren.


China hat sich zwischen der Tang (618 – 907) und Mitte der Sung Dynastie (960 – 1279) bevölkerungsmässig mehr als verdreifacht. Der zinsfreie Kredit, 
basierend auf Leistungsausgleich unter Menschen, erforderte keine 
Geldemittierung durch die Herrscher. Jeder schrieb bei Jedem an. Geld in der heutigen Form war nicht bekannt, ausser den oben erwähnten Reisemünzen. 
Erst die Fremdbeherrschung in der Sung Dynastie erforderte Geld im heutigen
 westlichen Sinn.


China war in der Sung und Yuan-Dynastie (1279 – 1368) fremdverwaltet und die Chinesen 
blieben vom politischen Leben ausgeschlossen und unterlagen sozialer und 
politischer Diskriminierung. Sie überlebten wirtschaftlich als Staat im Staat 
nur durch das Fei Lun System, welches für die fremden Herrscher unsichtbar
 blieb.
 Die Selbstisolation der herrschenden Klasse führte zu deren Dekadenz und zum Zusammenbruch. Nach Jahrhunderten der Unterjochung gelang den Chinesen die Befreiung und der Neubeginn mit der Ming Dynastie, in der sich das Fei Lun System noch stärker etablierte – ein System, welches letztlich auch unter der Besatzung den Chinesen ihre Eigenständigkeit sicherte.


Das Schuldbüchlein gab es nie in Form von losen Seiten, denn das hätte dem heutigen Bargeld 
entsprochen. In dem Schuldenbüchlein wurden Leistungen angeschrieben, die man irgendwann in der Zukunft mit eigenem Leistungsbezug oder Rückzahlung 
verrechnet hat. Wären es lose Seiten gewesen, hätte man sie wie Geld getauscht und dann auch in Zeiten, in denen die Güter knapp waren, zu anderen Preise gegen mehr Geldscheine verrechnen können. Da es aber angeschrieben wurde, blieb der Preis jahraus jahrein immer derselbe. Es war eben ein Leistungspreis und kein Warenpreis und konnte somit nicht inflationieren. Erst nach dem 17. Jahrhundert, als “auserwählte“ Händler aus Europa kamen, entstanden immer mehr Warenpreise, die abgeleistet werden mussten.


In der Ming Dynastie (1368 – 1644) unter dem Fei Lun System erlebte China seinen höchsten 
Wohlstand. 
Da der Wohlstand nicht mehr durch die Fremdherrschaft abgesaugt wurde, blieb dieser im Land und stimulierte die autonomen Wirtschaftsmärkte. Der Handel mit Europa kam nur mühsam in Gang. Zwar wollten die Europäer Güter wie Tee und Porzellan, doch hatten sie nur wenig zum Handeln anzubieten, das für die Chinesen begehrlich war. 

Als der Handel im 17. und 18. Jahrhundert im größeren Stil mit Übersee
 begann, lieferten die Europäer nur noch Waren aus ihren Länderen gegen Silber.
 Silber hatte für China nur einen Wert zum Handel mit Japan oder den Kauf von Waren aus westlichen Ländern. Für das Fei Lun war es wertlos.
 China hatte kein Silber und kannte es auch bis zur Sung Dynastie nicht.


Durch die Steigerung der Opiumsuchtnachfrage nach dem Abkommen von Nanking 1842 waren die Chinesen bereit, alles zu liefern, was die Europäer an Waren wollten. Untereinander verrechneten die Chinesen bis Ende des 20. Jahrhundert alles über das Büchlein. Das moderne Anschreibeverfahren funktioniert nun via passwortgeschütztem Login und per SMS. Es gilt deshalb bei vielen Jüngeren als modern und wird wie alle zinsfreien Systeme populärer.

 

China war nie in seiner 12'000 jährigen Geschichte verschuldet. Das Volk hatte unter dem Fei Lun mehr Macht und Wohlstand.
 Das ideale Geldsystem wäre wohl ein Kreditsystem wie Fei Lun, gepaart mit einem kommunalen Kreditsystem – d.h. ein persönliches Kreditsystem, welches die menschliche Bindung und Verpflichtung fördert, sowie ein kommunales Kreditsystem, welches gemeinnützige, förderungswürdige Investitionen ermöglicht, aber dezentral gehandhabt wird. 
Geld ohne Schuld ist nicht möglich. Die Lösung heisst: wir 
brauchen kein schlechtes Geldsystem, sondern ein gutes Kreditsystem. Vergleichbar wäre dieses Kreditsystem mit der Situation auf Bali, wo jeder Balinese als Teil einer traditionsreichen Geschenkwirtschaft 30 – 40 % seiner Arbeitszeit für den Tempel verwendet, der damit gemeinschaftliche, fürsorgerische, künstlerische und religiöse Aktivitäten ermöglicht.

 

Die Chinesen schafften es fast 12'000 Jahre ohne Geld! Diese Tatsache ist sensationell und darum wird sie bei uns im Westen verschleiert. Alle heutigen Kredit und
 Bargeschäfte liefen damals über Fei Lun. Fei Lun lässt sich übrigens sofort von Jedem implementieren. Kaufen Sie nur noch dort ein, wo Sie Kredit bekommen und diesen mit Leistung ausgleichen können. Wir sind zwar im Industriezeitalter durch die Arbeitsteilung oft nicht mehr in der Lage, ganzheitliche Leistungen abzuliefern. Es gilt diese Fähigkeiten wieder zu erlernen, wenn wir uns aus den Abhängigkeiten befreien wollen. Leistung als ganzes macht Spass! Bei Bedarf gibt es ein Schuldbüchlein bei jedem Schreibwarenhändler und ein original 555-Büchlein ist auf dem Internet beschaffbar:

http://tanenghong.com/product/pro_view.asp?cat=6&group=7&page=4 - pro

 

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