Was ist Geld?

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Geld ist ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel
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Als allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel erleichtert es jeden Tauschvorgang. Dies ist besonders in einer arbeitsteiligen Wirtschaft von grosser Bedeutung. Ist die Annahmepflicht gesetzlich vorgeschrieben, spricht man von gesetzlichen Zahlungsmitteln.

Neben seiner Funktion als Tauschmittel dient das Geld, beziehungsweise die Geld-Einheit, als Wertaufbewahrungs- und Wertübertragungsmittel, als Wert- und Preismassstab und als Recheneinheit.

Diese Funktionen charakterisieren, was das Geld macht. Da diese funktionalen Definitionen allgemein akzeptiert sind, wird das Wesen von Geld tatsächlich kaum untersucht. Eine Definition von Geld, was Geld ist, könnte lauten: Geld ist eine Übereinkunft in einer Gemeinschaft, etwas Standartisiertes als Tauschmittel zu verwenden. (Nach <Geld und Nachhaltigkeit> S. 199)

 

 

Steingeld der Insel Yap. Die Steinscheiben fé gelten hier als Tauschmedium.

Mehr Infos: S. Preissig “Tauschen…“ S. 26f.

 

Was im Lexikon relativ trocken und neutral daher kommt, ist bei weitem nicht alles, was wir mit Geld verbinden, wenn wir über Geld nachdenken.

 

Das Geld bestimmt unser Leben und dennoch sprechen wir selten darüber und nur wenige machen sich soviel daraus, dass sie sogar ein Buch darüber lesen würden.

Die meisten von uns denken nicht über Geld nach, weil es die herrschende ökonomische Lehre verstanden hat, die Funktionsweise des Geldes so kompliziert darzustellen, so zu verschleiern, dass sie für den normalen Menschen unverständlich geworden ist und jedermann lieber die Experten machen lässt.

Am liebsten würden wir nicht darüber nachdenken, denn wir denken in den meisten Fällen erst darüber nach, wenn es uns fehlt.


"Es ist gut, dass die Menschen des Landes unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen, denn sonst, so glaube ich, hätten wir noch vor morgen früh eine Revolution." Henry Ford

 

Viele Menschen denken auch darüber nach, wie man Geld vermehren könnte. Wir leben in einer "Kultur", in der es darum geht, aus Geld mehr Geld zu machen, wenn möglich ohne persönlichen Einsatz und persönliches Risiko. So werden Gewinne privatisiert und alle Folgekosten bis zur Pleite sozialisiert, d.h. wir werden immer häufiger und immer üppiger zur Kasse gebeten.

Haben Sie schon einmal Geld arbeiten sehen. Nur Menschen arbeiten.

In vielen Familien ist das Geld ein Thema, worüber man sich streitet. Wiederum andere sagen: Geld kommt und geht! Mir ist Geld egal…

Wie allerdings das selbe Geld zwei verschiedenen Herren dienen kann, bleibt ein grosses Rätsel der herrschenden Ökonomie. Auf der einen Seite verlangen wir von Geld als Tauschmittel, dass es möglichst umläuft, d.h. zirkuliert, verkehrt, denn nur dann erfüllt es seine Funktion. Auf der andern Seite soll das gleiche Geld aus dem Verkehr gezogen werden und in seiner Funktion als Wertaufbewahrungsmittel auf die hohe Kante gelegt werden, in der Hoffnung, dass es z.Bsp. in 20 Jahren mehr oder weniger die selbe Kaufkraft aufweisst. Diesem Wiederspruch kann nur mit einer mindestens dualen Währungsstruktur begegnet werden. Ein Geld läuft um, ein anderes Geld kann aus dem Verkehr gezogen werden und auf die hohe Kante gelegt werden. Die heutige Ökonomie verlangt aber vom gleichen Geld beide Funktionen und ist von einer dualen Währungsstruktur weit entfernt.

 

Wohlstand für Alle

Drei von den sieben Tagen einer Woche feiern wir mit üppigen Festgelagen. Wir singen, tanzen und geniessen den Müssiggang. Die restlichen Tage arbeiten wir. Armut ist praktisch unbekannt, ebenso Arbeitslosigkeit. Gutgenährt schlendern wir durch prächtige Städte mit reich verzierten Bürgerhäusern. Was tönt wie ein Märchen, ist in Europa während 300 Jahren tägliche Realität. Nie in seiner Geschichte geht es auch dem einfachen Volk materiell und sozial so gut, wie während der Zeit von etwa 1150 bis 1450. Mitteleuropa erlebt eine Hochblüte. Steinmetze beginnen, Kirchen zu bauen, obgleich ihnen klar ist, dass im besten Fall ihr Urenkel einmal in diesem Gotteshaus beten wird. Überall entstehen neue Städte. Fast alle großen Kirchen Europas werden in dieser Zeit erbaut. Noch heute schlendern wir durch die mittelalterlichen Städte in ganz Europa. Wir lesen in unseren Geschichtsbüchern kaum etwas über diese Hochblüte. Kein Wunder, denn es gibt kaum von Siegern und Besiegten zu berichten.

 

Wie kam es zu dieser wirtschaftlichen und kulturellen Hochblüte? Um 1150 wissen die Herrschenden nicht, wie sie ihren Haushalt finanzieren sollen. Daher führen sie "Brakteaten" ein – aus dünnem Blech einseitig geprägte Münzen, die das Jahr zeigen, in dem sie gültig sind. Brakteaten werden jährlich für ungültig erklärt. Mit einem "Abschlag" von 20 Prozent können dann 100 alte Münzen gegen 80 neue, gültige umgetauscht werden. Dies sind die einzigen Steuern, welche die Menschen zu bezahlen haben.

 

Heute ist der Begriff der Brakteaten fast unbekannt, genauso wie der Zusammenhang mit der wirtschaftlichen und sozialen Hochblüte jener Zeit. Was sind nun Brakteaten? Brakteaten ergänzen die weiterhin bestehende “Haupt“währung. Brakteaten müssen keine Zinsen abwerfen. Sie ermöglichen die Bezahlung von sozialen und kulturellen Dienstleistungen. Brakteaten sind nur in einer bestimmten Stadt oder Region gültig und für den Umlauf bestimmt. Sie werden nicht gehortet, da sie über die Zeit ihren Wert verlieren. Und weil am Ende eines Jahres auf die Brakteaten eine 20prozentige Steuer zu zahlen ist, fliessen die Brakteaten schnell von einem Wirtschaftsteilnehmer zum andern. Damit ermöglichen und unterstützen sie den Tausch.

 

Wir können für unsere Zeit aus dieser vergangenen Blütezeit lernen.

 

Sekundäre Funktionen des Geldes

Bernhard Lietaer unterscheidet neben der primären Funktion des Geldes als Tauschmittel auch noch sekundäre Funktionen des Geldes, nämlich Geld als Spekulationsinstrument und Geld als Herrschaftsinstrument. Geld als Spekulationsinstrument wird zwar in den meisten wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern gar nicht erwähnt, aber es hat sich eindeutig in den letzten Jahren dazu entwickelt, sind doch ca. 98% des täglichen Devisenhandels reine Spekulationsgeschäfte. Mit Geld als Herrschaftsinstrument lässt sich ein homogener Wirtschafts- und Informationsraum schaffen. Aristoteles betrachtet die Macht zur Durchsetzung einer Währung als Voraussetzung für ein Reich.

Sicher ist, dass Geld eines der grossen Tabus unserer Zeit ist.

Und es ist an der Zeit, dieses Tabu etwas näher zu betrachten, damit sich die Nebel über dem Geld lichten.

 

Weitere Infos:

Lietaer Bernard, Das Geld der Zukunft,

Preissing Sigrun, Tauschen – Schenken – Geld,

Bücher von Bernd Senf

vgl. Bücherliste

 

 

 

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